Verfasst von: tobiasreisender | 4. Februar 2010

Gibt es einen Markt für ökologischen und nachhaltigen Tourismus?

Im Laufe meiner Dissertation führte ich eine Befragung durch um verschiedene Fragen zu beantworten.

Die grundlegende Frage ob die Kunden ein grünes und nachhaltiges Tourismus Produkt bevorzugen würden, wenn Preis und „Qualität“ der Leistung identisch zu einem Standardprodukt wären, beantworteten 76 Prozent der Befragten mit JA. Innerhalb dieser Gruppe gaben allerdings „nur“ 48 Prozent der Befragten der Nachhaltigkeit des Produktes eine hohe Bedeutung bei ihrem Entscheidungsprozess einen Urlaub zu buchen.

Um verwertbares Datenmaterial zu bekommen und auch eine Aussage bezüglich Zielgruppen treffen zu können, wurden weitere Fragen gestellt und analysiert.

Wie in Abbildung 4.2 zu sehen ist, stellte ich die Frage ob Kunden bereit sind mehr für ein grünes und nachhaltiges Produkt zu bezahlen, wenn das Produkt gleichwertig mit einem „normalen“ Angebots  ist.

Wie wir im Diagramm sehen können, sind ungefähr 50 Prozent der 18 bis 29 Jährigen bereit mehr für ein solches Produkt zu bezahlen, aber 33 Prozent würden nur zwischen 1 bis 49€ mehr bezahlen und 17 Prozent bis 99€. Dagegen gab keiner der Befragten dieser Altersgruppe an, mehr wie 100€ für ein grünes und nachhaltiges Produkt mehr bezahlen zu wollen. Dies ist sicherlich auch damit zu erklären, dass in dieser Altersgruppe die Einkommen weniger hoch sind als in anderen Altersgruppen und die Vorlieben was Urlaub betrifft stark auf Unterhaltung ausgeprägt sind.

Auch in der Altersgruppe der 30 bis 49 Jährigen bekam ich das Ergebnis das ungefähr 50 Prozent der Befragten bereit wären für ein grünes und nachhaltiges Produkt mehr zu bezahlen. Allerdings ist die Bereitschaft mehr zu bezahlen anders verteilt wie bei der jüngeren Altersgruppe. In dieser Altersgruppe ist insgesamt die über alle Befragten hinweg die Bereitschaft am größten, auch mehr wie 100€ mehr zu bezahlen, wenn das Produkt grün und nachhaltig ist.

Dagegen ist der Altersgruppe der 50 bis 65 Jährigen die Bereitschaft generell mehr für ein grünes und nachhaltiges Produkt am größten ausgeprägt, wie auch die über 65 Jährigen eine größere Akzeptanz für höhere Preise nachweisen.

Eine weitere Frage die ich stellte war, die Wichtigkeit von einem umweltfreundlichen und nachhaltigen Produkt im Entscheidungsprozess der Reiseauswahl.

Wie man sehen kann variiert die Wichtigkeit dieser Produkteigenschaft zwischen den verschiedenen Altersgruppen. Für alle Altersgruppen ist gemeinsam, dass diese Produkteigenschaft insgesamt nicht all zu wichtig ist.  Im Vergleich zu anderen Themen (siehe Abbildung: Importance of different Criterias) spielt die Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit nur eine untergeordnete Rolle. Allerdings kann gesagt werden, dass vor allem in den mittleren Altersgruppen eine gewisse Offenheit für dieses Thema besteht.

Fortsetzung folgt.

Tourismus hat einen eindeutigen Einfluss auf die Gastländer, da Millionen von internationalen Touristen jedes Jahr rund um die Welt reisen. Dies macht die Tourismusindustrie zu einer der wichtigsten Industrien, die ungefähr 1/9 aller Arbeitsplätze weltweit stellt. (McMinn, 1997)
Während der Tourismus häufig als Quelle für ökonomisches Wachstum der Gastländer gesehen wird, können aber auch eine Reihe von negativen Effekten wie die Zerstörung des Ökosystems und der Verlust der nationalen Kultur festgestellt werden. (Lansing, 2006)

Dolnicar schrieb 2006, dass es zwei Paradigmen für grünen und nachhaltigen Tourismus gibt.
Ökotourismus ist beschränkt auf „Natur-basierenden“ Tourismus nachhaltiger Tourismus ist eine auf Angebot basierende Sicht auf dieses Thema durch Industrie-Vorschriften und Bestimmungen Die grundlegende Annahme ist, dass nachhaltiger Tourismus die negativen Auswirkungen des Tourismus auf die Gastländer verringert, während er zusätzlich positive ökonomische Effekte für die Einwohner der „betroffenen“ Gebiete hat. (Dinan, 2000)

Grüner und nachhaltiger Tourismus ist kein Ansatz der grundsätzlich gegen Wachstum gestellt ist, aber um die Tourismus-Destinationen vor der Zerstörung ihrer natürlicher Ressourcen zu schützen, gibt es Grenzen des verträglichen Wachstums die eingehalten werden müssen.
Das heißt, um einen nachhaltigen Tourismus zu installieren muss dafür gesorgt werden, dass Umwelt und Kultur des Reiselandes so wenig wie möglich in Mitleidenschaft gezogen werden.

Die alte und bis heute immer noch vorherrschende Form des Tourismus-Marketing, hat sich viel zu lange ausschließlich auf die massive Expansion der Besucherzahlen konzentriert und mit Hilfe eines möglichst günstigen Preises versucht potenzielle Kunden von ihrem Produkt zu überzeugen. Diese Unternehmensphilosophien und ihre negativen Auswirkungen können heute überall auf der Welt in den bekannten Urlaubsregionen gesehen werden. Küstenregionen wie zum Beispiel die Costa Brava in Spanien oder große Teile von Mallorca wurden so für immer zerstört. Bettenburgen wurden errichtet, der Küstenstreifen zugebaut und somit die natürliche Küste stark verändert.

Dass ein solches Handeln auch negative Auswirkungen auf die einzelnen Parteien die vom Tourismus abhängen haben ist klar ersichtlich. Wenn sich die einzelne Tourismuszentren in ihrem Erscheinungsbild zu sehr ähnlich sehen, verschwinden auch die Möglichkeiten mit USPs zu werben. Der Preis der Produkte verfällt zusehends und Urlauber wandern in noch relativ neue und damit relativ unberührte Destinationen ab.

Dies hat vor allem für die Urlaubsregionen negative Auswirkungen und steht gegensätzlich zu einem nachhaltigen Wirtschaften und nachhaltigem Erfolg, selbst wenn man kulturelle Aspekte sowie den Einfluss auf die Umwelt beiseite lässt.

Trotz dieser negativen Auswirkungen kann es als unbestritten angesehen werden, dass Tourismus eine gute Möglichkeit für Entwicklungsländer sein kann, ökonomische Nachteile gegenüber entwickelten Staaten zu verringern.

Verfasst von: tobiasreisender | 3. Februar 2010

Kurzbeschreibung meiner Dissertation

Tourismus wird häufig als gute Chance zur Entwicklung von Entwicklungsländer beschrieben und ist darüber hinaus eine der weltweit wichtigsten Wirtschaftszweige. Tourismus kann Arbeitsplätze schaffen und damit auch Menschen in den Entwicklungsländern einen höheren Lebensstandard ermöglichen.
Aber darüber hinaus kann aus Tourismus auch eine große Gefahr für Kultur und Umwelt einzelner Länder darstellen, da er das Leben der Menschen verändert und erheblichen Einfluss auf die Natur der touristischen Regionen haben kann.

Im Verlauf dieses Blogs werde ich Möglichkeiten und Lösungen anhand von Untersuchungen und Beispielen aufzeigen, wie für Tourismusindustrie und Tourismusregionen ein Wettbewerbsvorteil durch „grünen und nachhaltigen Tourismus“ entstehen kann, wenn nachhaltige Produkte entwickelt und vertrieben werden.
Ich werde aufzeigen, wie die Verbraucher zu „grünen und nachhaltigen Produkten“ stehen und in wie weit sie bereit sind hierfür höhere Preise zu bezahlen oder auf mögliche Annehmlichkeiten zu verzichten würden.

Um einen Teil meines Ergebnisses vorweg zu nehmen, einen lang anhaltenden Wettbewerbsvorteil durch grünen und nachhaltigen Tourismus werden vor allem Tourismusunternehmen nicht erzielen können, da die Tourismusindustrie als ein sehr homogener Markt bezeichnet werden kann, auf dem Informationen und Know-How nur schwer vor der Konkurrenz geschützt werden können. Im Gegensatz zu anderen Industriezweigen wie zum Beispiel der Kfz-Industrie, lässt sich in einem dienstleistungsorientierten Bereich kein technologischer Fortschritt erzielen, der nicht von der Konkurrenz kopierbar wäre.

Anders verhält sich dies natürlich bei ganzen Tourismusregionen und Ländern. Können die Landeskultur und die Natur geschützt und „konserviert“ werden, so besteht auf mittel- bis langfristige Sicht ein erheblicher Wettbewerbsvorteil zu anderen Regionen, die weniger oder gar kein Augenmerk auf eine nachhaltige Entwicklung des Tourismus geachtet haben und so ihre Identität und damit ihr USP verloren haben.

Speziell für Tourismusunternehmen ist der Eintritt in ein grünes und nachhaltiges Produktportfolio also nur dann ein wirklicher Wettbewerbsvorteil, wenn sie einer der sogenannten First-Mover sind und mit einem frühen Markteintritt nicht nur mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen können, sondern sich evtl. auch eine höhere Glaubwürdigkeit durch den frühen und nicht vom Markt aufgezwungenen Eintritt in dieses Produktfeld erzielen können. Ein weiterer Vorteil von First-Movern ist natürlich, dass sie gegen neu eintretende Konkurrenz mit ihrer längeren Erfahrung einen Vorteil im Markt haben.

Speziell in einem so eng und hart umkämpften Markt wie dem Tourismus ist es von großem Vorteil, seinen potenziellen Kunden ein Produkt anbieten zu können, das einen Mehrwert gegenüber der Konkurrenz bietet. Die Entwicklung in der Nahrungsmittelindustrie und der Automobilindustrie haben gezeigt und zeigen, dass die Kunden nicht nur ausschließlich auf den Preis und die offensichtlichen Leistungen schauen, sondern dass sie auch immer stärker auf die Nachhaltigkeit des Produktes achten.

Verfasst von: tobiasreisender | 3. Februar 2010

Einführung

Im Rahmen meiner Bachelor Dissertation habe ich mit dem Thema des „Grünen und nachhaltigen Tourismus und seiner Nachfragepotenziale sowie möglicher Wettbewerbsvorteile“ befasst. Auf dieser Arbeit wird dieser Blog aufbauen. Zu finden ist die Dissertation momentan nur in englischer Sprache unter diesem Link. Alle die Interesse haben sich durch diese Arbeit durchzulesen wünsche ich dabei viel Spaß, für den Rest werde ich hier in den nächsten Wochen und Monaten auf einzelne mir wichtig erscheinende Ergebnisse und Passage eingehen.

Verfasst von: tobiasreisender | 3. Februar 2010

Eröffnung

Guten Tag!

Nun ist es soweit, nach langem zögern und hadern habe ich beschlossen einen Blog zum Thema ökologischer und nachhaltiger Tourismus zu eröffnen.

Aufbauen wird dieser Blog auf den Ergebnissen die ich im Rahmen meiner Bachelor Dissertation erzielt habe.

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